kaschke meyer nagel

Presse

 

 

St.Galler Tagblatt, 26.Februar 2013 

Mit den Gipfelstürmern durch die Lokremise


ROGER BERHALTER
 

 

Kantonspolizist Flückiger ermittelt in einem Mordfall im Berner Oberland. Hat der mürrische Helmut die Gertrud umgebracht? Was verschweigt seine Frau Helga? Und was hat Serviertochter Fränzi mit dem Fall zu tun?

Innert Minuten erzeugen Dominik Kaschke und Romeo Meyer am Sonntagabend in der Lokremise Spannung. Die beiden Schauspieler haben das Bühnenbild des Paul-Grüninger-Stücks in Beschlag genommen und improvisieren nun frei nach Friedrich Dürrenmatt eine kurze Szene. Als Vorgabe dient ihnen dabei nur ein Titel aus der zufällig aufgeschlagenen Sonntagszeitung: «Der Gipfelstürmer». Auf Einladung der Stiftung Lokremise organisieren Kaschke und Meyer zum ersten Mal den «Geführten Sonderzug»: eine Führung durch die Lokremise, gespickt mit improvisierten Theaterszenen.Die beiden starten den Rundgang vor dem Theatersaal und blenden zurück in die Zeit, als'die Lokremise kein Kulturraum, sondern ein Lokomotiven-Parkplatz war. Mit offenem Feuer, Russ und literweise Öl, das den Wärtern ins Gesicht tropfte, wenn sie die Lokomotiven nachts wieder in Schuss brachten.  

Die Schauspieler wissen die rund 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Führung mit spannenden Fakten zu fesseln, erklären die Architektur des Ringbaus und zitieren Berichte von Heizern und Lokomotivführern von früher. Im Saal des Kinok, der nächsten Station, improvisieren und variieren Kaschke und Meyer eine weitere Theaterszene - einmal mit Rosamunde-Pilcher-Kitsch, einmal als Science-Fiction-Film. So gerät der Rundgang zum amüsanten, anregenden Spaziergang durch die Geschichte deLokremise, von ihrem Bau Anfang des 20. Jahrhunderts bis zur Neueröffhung als Kulturraum 2010. Nach einem kurzen Abstecher in die dunklen Ausstellungsräume von Anthony McCall endet der «Sonderzug» im Theatersaal, wo die Schauspieler Anekdoten aus der Anfangszeit des Kulturorts erzählen, etwa von der Ratte Loki, die immer durch die Gänge huschte, oder vom Feueralarm, der während der Theaterproben ständig losging. Dann wird Meyer zu Flückiger und Kaschke zu Helmut, und weil die Szene bei der nächsten Führung sowieso anders verlaufen wird, sei an dieser Stelle verraten: Es war Helmut,der die Gertrud ermordet hat.


 

St.Galler Tagblatt, 24. September 2012  

Bubble Tea und Buggy Fit

Dominik Kaschke und Romeo Meyer drehten am Samstag mit ihrer «Late
Night Lok» auf. Die Show war zum Bubble-Schiessen komisch. 


ROGER BERHALTER


In dieser Late Night Show kann man noch etwas lernen. Zum Beispiel, dass die «Axe of Evil» kein
neues Deo ist. Und dass es bei Glaubenskonflikten hilft zu warten, weil in 500 Jahren meist alles wieder
gut ist. Eine weitere Weisheit, gehört am späten Samstagabend in der Lokremise: «Der Untergang des
Abendlandes ist kein YouTube-Clip.»
Dominik Kaschke und Romeo Meyer drehen erneut auf. Zum neuntenmal haben sie zur «Late Night
Lok» geladen, ihrer selbstbetitelten «skurrilen Show über, für und dank St. Gallen». In der bis fast auf
den letzten Platz gefüllten Lokremise führen die beiden ihre eigene Late-Night-Sendung auf. Das Motto
lautet diesmal «Mach's dir selbst!», doch das ist nicht so wichtig. Denn die beiden Schauspieler gehen  

sehr frei ans Werk. Wobei der Eindruck täuscht: Hinter den lockeren
Sprüchen, den Nonsense-Spielen und den Musikeinlagen steckt viel Vorbereitung. Es ist harte Arbeit,
sich derart gekonnt zum Affen zu machen.

Was «negative eating» bedeutet


Weil es in der Show eigentlich um St. Gallen geht, zeigen Kaschke und Meyer Schnappschüsse aus der
Gallusstadt. Sie werweissen über die Werbesprüche von «McAnzug». Sie machen sich über Fitness mit
dem Kinderwagen («Buggy Fit») lustig und führen mit einer Babypuppe Dehnübungen vor. Sie bringen
die Namen verschiedener Stadtparlamentskandidaten derart zusammen, dass Wohlklingendes entsteht
(«Papa Haselnuss»). «Unser Job ist es ja, Sie auf die Dinge aufmerksam zu machen, die Ihnen im Alltag
vielleicht noch nicht aufgefallen sind», sagt Romeo Meyer und zeigt ein Foto des neu eröffneten Thai-
Restaurants an der St. Leonhard-Strasse. «Positive eating. Aha. Was ich mich frage: Was ist das
Gegenteil davon?» Vom «negative eating» ist es nur ein kleiner Schritt bis zum Bubble-Tea, und schon
sind Kaschke und Meyer mittendrin im fröhlichen Bubble-Schiessen. Mit dicken Strohhalmen lassen sie
asiatische Gelée-Kügeli auf einem Foto von Mitt Romney zerplatzen. Auch Harald Schmidt könnte das
nicht besser.
Ebenfalls beeindruckend, wie Kaschke und Meyer auf das Publikum reagieren und aus spontanen
Stichworten kleine Theaterstücke improvisieren: Einmal rettet Kaschke als Beluga-Wal die
Meerjungfrau Melana (Meyer). Ein andermal fusionieren sie «Die Bremer Stadtmusikanten» und
Freddy Krueger – psychopathisch-musikalisch untermalt von der Zwei-Mann-Late-Night-Band.

 

 

St. Galler Tagblatt, 2. November 2010 

Erwachte Nacht der Burleske 

 

BRIGITTE SCHMID-GUGLER


[....]Schauspieler müssen heutzutage Entertainer, Kabarettisten, Musiker, Werber, also alles in allem Multipakete hauseigener Schöpfung sein. Aber gut, so, wie sie das machen,lustvoll und unangestrengt an dieser ersten Late Night Showunter dem multikulturellen Dach der Remise, kann man davon ausgehen, dass sie es freiwillig tun.[...] Im flauschig hergerichteten Interieur fernsehtauglicher Multimedialität vor vollen Zuschauerrängen lassen Kaschke/Meyer die Puppen tanzen im Stil eines, na ja,sagen wir mal, Rundumschlags der Streiflichter in boulevardeskerheiternder Vaudeville-Art. Viel rosa Plüsch, ein elegantes Pültchen wie von Eames, wippende Sessel, schwarze Fauteuils, etwas weiter abseits die Schleuse, durch welche die Gäste den Ort der Reality-Show um politisch Unkorrektes betreten. Noch weiter links die Live-Band von Raoul Alain Nagel.  

[...] Derweil quasseln sich die beiden Showmaster durchs verhinderte Multikultiland, streifen satirisch die Themen der vergangenen Wochen von Doppel-A wie AFG und Antifeminismus bis Schlaftabletten- Widmer-Schlumpf und Gross-Augen- Leuthard, von Bündnerfleisch- Merz bis zum Doppel-0 wie Olma und 0 wie Ofczarek, also jener Mann, der im Sennentuntschi den Polizisten mimt.

[...] Nach einer hübschen Drei- Weieren-Burleske für einen Petarden-werfenden Fussballfan und seinem Mädel in Blond folgt der Auftritt Diego Maradonas (DominikKaschke). Es ist das Highlight des Abends, wie er sich hinfläzt, näselt, schnüffelt, schnieft und nuschelt, befragt wird zu seinen Rettungsvorschlägen für die Arena, aber eigentlich nur sein Cumpleanjos feliz gesungen haben will, der Hammer! Besser ist nur noch die Froschschenkel-Nummer, wo man dann so richtig mitzählen kann, über wie viele multifunktionale Gliedmassen Schauspieler verfügen. Nochmals Hammer, nein: Hammerhammer. 

[...]Dann ein hauseigenes Chanson als Beitrag zum nächsten Eurovision Song Contest [...] und dann werden sie gebeten, die Gäste des Abends, the Global Player Riklin-Twins vom Lagerhaus, Applaus,Applaus! [...] Das war sie,die Show mit offenem Ausgang. Es ist Mitternacht,St. Gallen erwacht.



 

St.Galler Tagblatt, 12. September 2010

Die lange Nacht der Museen 

[...] Grösste Versuchung bildet das Improvisationstheater  " Kaschke und Meyer ". Auf das zugerufene Stichwort "HSG" hin legen die beiden Schauspieler gleich mit einer spontan erfundenen Comedy-Szene los:Empfang eines Nachwuchsmanagers auf dem Rosenberg. [...]